Vorbildähnlich bauen

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Vorbildähnlich heißt, dass man versucht das ungefähre Aussehen zu treffen, oder auch die technischen Funktionen zu realisieren. Basis von allem ist jedoch eine richtige maßstäbliche Umrechnung

Beispiel 1

Zum Beispiel gibt es eine große Szene der RC-Car-Fahrer, die auf den gleichen Chassis gegeneinander Rennen fahren. Da ist das exakte Maßstäbliche nicht so wichtig. Viel wichtiger sind Straßenlage, Geschwindigkeit, Preis und leichte Reparierbarkeit.

Beispiel 2

Bei Jetantrieben wäre es zum Beispiel nicht sinnvoll so groß zu bauen, dass fertig erhältliche Jetantriebe dazupassen würden. So ein Modell wäre meterlang. So nimmt man relativ handliche Rümpfe um einen Meter lang und baut im Verhältnis viel zu große Jetantriebe ein. Funktioniert gut. Maßstäblich wären die Jetantriebe 1. nicht fertig zu kaufen und 2. vielleicht nicht kraftvoll genug für ansprechende Geschwindigkeiten.


Die passende Geschwindigkeit

Hier stellt sich natürlich die Frage, wie schnell ein Modell sein muss, damit es "vorbildähnlich" ist. Diese Frage lässt sich leider nicht für alle Bereiche des Modellbaus mit nur einer Antwort klären, da es hierzu verschiedene Gesichtspunkte gibt. Am einfachsten verhält es sich noch bei der Modelleisenbahn oder bei Automodellen. Stellen wir uns einmal vor, das Original legt in einer bestimmten Zeitspanne (z.B. 1s) eine bestimmte Strecke zurück, dann müsste das Modell in der gleichen Zeit eine Strecke zurücklegen, die dem Maßstab entsprechend kürzer ist. Fährt beispielsweise eine Lok im Original 100km/h und legt dabei in 1s rund 28m zurück, dann muss ihr Modell im Maßstab H0 (1:87) in 1s eine Strecke von 28m x 1/87 = 32cm zurücklegen, damit das Modell so wirkt, als sähe man das Original aus einer großen Entfernung.

In diesem Fall wäre die Modellgeschwindigkeit = Vorbildgeschwindigkeit x Länge Modell/ Länge Vorbild


Wenden wir diese Beziehung jedoch auf Schiffsmodelle an, dann mag zwar die Bewegung des Schiffsmodells naturgetreu wirken (so, als wenn man das Original aus großer Entfernung sieht), jedoch fällt auf, dass die Wellenbilder, die Original und Modell im Wasser verursachen, ganz und gar nicht zusammenpassen. Hat z.B. ein Frachter im Original bei 15kn eine ausgeprägte Bugwelle, so würde sein Modell im Maßstab 1:100 bei 0,15kn allenfalls ein leichtes Säuseln an der Wasseroberfläche hervorrufen.

Hier müssen wir die Gesetze der Strömungsmechanik ins Spiel bringen. Ein gewisser Mr. Froude hat vor langer Zeit herausgefunden, dass die Strömungsbilder ähnlicher, aber unterschiedlich großer Körper dann einander ähnlich sind, wenn die Geschwindigkeiten sich verhalten wie die Quadratwurzel aus dem Längenverhältnis von Modell zum Original ("Froude'sche Formel"), d.h.

Modellgeschwindigkeit = Vorbildgeschindigkeit x Quadratwurzel(Länge Modell / Länge Vorbild)

Das Modell des Frachters im Maßstab 1:100 müsste demnach mit einer Geschwindigkeit fahren, die Wurzel(1:100) = 1:10 mal der Geschwindigkeit des Originals entspricht. Dann wären die Wellenbilder ähnlich, jedoch sieht die Geschwindigkeit dann leider "zu schnell" aus. Dieser Widerspruch wird umso größer, je kleiner der Maßstab ist; er lässt sich leider nicht vermeiden, es sei denn, man filmt das Modell und lässt die Aufnahme in Zeitlupe ablaufen (Dieser Trick wird in der Filmindustrie durchaus angewendet).